Kerngedanken der Gestalttherapie (Nr.9)

Was sind die wichtigsten Kerngedanken der Gestalttherapie?


Kerngedanken der Gestalttherapie (Nr.9)Immer geben psychologische Richtungen Impulse für die Persönlichkeitsentwicklung und das Managementtraining. Richtungen wie NLP oder die Transaktionsanalyse sind bei vielen Trainern und Interessierten bekannt. Die Gestalttherapie, die von Fritz Perls entwickelt worden ist, ist im Managementtraining eher unbekannt. Auch, wenn die Gestalttherapie keine echten Tools und Handlungsanleitungen liefert, kann sie Menschen bei der eigenen Persönlichkeitsentwicklung helfen.

 

Don`t push the river it flows by itself.Fritz Perls

 

 

Was sind die wichtigsten Kerngedanken der Gestalttherapie?

1. Leben heißt wachsen

Persönliches Wachstum und Weiterentwicklung ist ein lebenslanger Prozess. Durch neue Erfahrungen und deren Verarbeitung, werden wir uns weiterentwickeln. Die eigenen Fähigkeiten zu entdecken und zu entwickeln ist eine permanente Lebensaufgabe. Jeder Wachstumsprozess ist von Höhen und Tiefen begleitet. Jede Entwicklung hat auch etwas Widersprüchliches, da wir nach dem Neuen streben aber auf der anderen Seite häufig unsere Sicherheit bewahren wollen.

 

2. Bewusstheit hilft

Bewusstheit (Awareness) ist einer der zentralen Begriffe der Gestalttherapie. Unser Leben findet immer nur in der Gegenwart statt. Den Geschmack eines guten Kuchens können wir nur wahrnehmen, wenn wir uns Zeit nehmen zu schmecken. Statt "Nutze den Tag", sagt die Gestalttherapie"Erlebe jeden Moment". Nur einer wachen Bewusstheit können wir unsere aktuellen Bedürfnisse und Gefühle wahrnehmen und damit mehr Zufriedenheit im Leben gewinnen. Das Hier und Jetzt bildet das grundlegende Fundament, um zu einem umfassenderen Erleben der eigenen Person und damit zur Selbstverwirklichung zu kommen. Nur durch die Wahrnehmung des Hier und Jetzt hat man eine Wahlmöglichkeit in der aktuellen Situation. Viele Menschen sind mehr mit der Vorbereitung auf das Leben beschäftigt, wie mit dem Leben selbst. Es lässt sich die äußere Bewusstheit (Wahrnehmung der Außenwelt) und die innere Bewusstheit unterscheiden. Viele Stressgeplagte hören im Wald weder die Vögel noch riechen sie den Wald, da Sie mit den Gedanken in der Zukunft oder in der Vergangenheit sind. Die eigene Wahrnehmungsfähigkeit lässt sich durch Übungen steigern (Nutzung aller Sinne).

 

3. Übernehme die volle Verantwortung für das eigene Leben

Jeder Erwachsene ist in der Lage, seine Handlungen selbst zu wählen und zu verantworten. Häufig geben wir die Verantwortung für unser Leben an andere ab. Wir klagen über die Umstände, den Chef oder anderes, statt selbst etwas für unser Wohlergehen zu tun. Wir sind jederzeit für unsere Gedanken, Gefühle und Handlungen selbstverantwortlich.

 

4. Schließe unabgeschlossene Dinge ab

"To finish unfinish business" ist eine Kernaussage der Gestalttherapie. Häufig können wir den Augenblick nicht genießen, weil uns unabgeschlossene Dinge in der Vergangenheit beschäftigen. Wir denken noch an unseren letzten Partner, an eine Auseinandersetzung mit dem Chef oder einen Konflikt mit Familienangehörigen. Solange wir unabgeschlossene Situationen haben, sind wir nicht frei für Neues und für ein Erleben des Augenblicks.

 

5. Erwachsensein heißt, sich selbst zu unterstützen

Wir sind voll erwachsen, wenn wir mehr und mehr unabhängig von äußerer Unterstützung werden und lernen, uns selbst zu helfen. Da heißt nicht, dass wir keine Hilfe von außen mehr in Anspruch nehmen wollen, sondern dass wir gelernt haben unsere Bedürfnisse wahrzunehmen und zu befriedigen. Auch, wenn wir Probleme haben, wissen wir, was uns in der Situation gut tut.

 

6. Gefühle sind die Quelle von Energie und Lebendigkeit

Gefühle sind die Quelle, die uns antreibt. Gefühle geben uns Orientierung, um die eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Negative Gefühle zeigen uns, dass wir etwas nicht mehr möchten oder vermeiden wollen. Positive Gefühle zeigen uns, dass wir mit etwas zufrieden sind oder wir etwas wollen. Jedes Gefühl hat eine Botschaft. Wir sind aggressiv gegenüber einem anderen, wenn der andere eine Grenze von uns verletzt. Die Aggression gibt uns die Energie, unsere Grenze deutlich zu machen.

 

Autor: Ingo Krawiec, Krawiec Consulting

Zweite, überarbeitete Fassung vom 05.08.2014