Do’s & Don’ts fürs IT-Trainer

Train the Trainer: Wie du komplexe Software im Seminar verständlich und nachhaltig vermittelst

Do's and Don'ts für IT-Trainer: Grafik mit IT-Training und Teilnehmenden

 

IT-Trainings gewinnen immer mehr an Bedeutung. Nicht nur reine Softwareschulungen, auch klassische Fachtrainings enthalten fast immer IT-Anteile. Kaum eine Schulung kommt heute ohne Programme, Tools oder digitale Anwendungen aus.

Gerade bei komplexer Software reicht Fachwissen allein nicht aus: Hier braucht es didaktisches Geschick. Der beste Fachexperte ist nicht automatisch auch der beste Trainer. Im Gegenteil: Zu viel Detailwissen kann schnell überfordern, wenn es nicht in verständliche Portionen übersetzt wird.

Viele IT-Schulungen scheitern, weil Trainer:innen sich nicht ausreichend in die Perspektive von Einsteigern hineinversetzen können. So wird Zeit, Geld und Motivation vergeudet. Erfolgreiche IT-Trainer hingegen sind nicht nur Fachprofis, sondern auch Multiplikatoren, die Inhalte so aufbereiten, dass sie verständlich, praxisnah und lernfreundlich sind.

Oder wie es Schopenhauer formulierte: „Nichts ist schwerer, als bedeutsame Gedanken so auszudrücken, dass sie jeder verstehen muss.“

Do’s für gelungene IT-Trainings

1. Dolmetscher-Qualitäten entwickeln

Gute IT-Trainer sind Übersetzer: Sie übertragen Fachsprache in Alltagssprache. Nutze Bilder und Vergleiche („Eine Datei ist wie ein Aktenordner“). Erkläre neue Begriffe sofort, und zwar so, dass sie im Gedächtnis bleiben. Je bildhafter und anschaulicher deine Sprache, desto leichter werden Inhalte verstanden. Trainer, die selbst Anwender waren, haben es oft leichter: Sie wissen, welche Begriffe Einsteiger abschrecken und wo es anschauliche Beispiele braucht.

2. Am Arbeitsablauf orientieren

Es gibt zwei Perspektiven:

  • Programm-Logik: Menüleisten, Befehle, Funktionen.
  • Anwender-Logik: Alles, was für den Arbeitsalltag relevant ist.

Für Teilnehmende zählt fast immer nur die zweite. Niemand kennt alle Funktionen seines Handys Man nutzt nur, was im Alltag gebraucht wird.

Beginne möglichst früh mit Praxisbeispielen, die typische Arbeitsabläufe abbilden. Beispiel: In einer Webdesign-Schulung sollten Teilnehmende gleich zu Beginn eine kleine Homepage erstellen. Ein erstes Erfolgserlebnis motiviert und zeigt den praktischen Nutzen.

3. Das Sandwich-Prinzip nutzen

Viele IT-Trainings scheitern, weil Trainer zu lange vortragen. Nach 20–30 Minuten schalten Teilnehmende ab.

Das Sandwich-Prinzip bedeutet:

  • Trainerinput (Information)
  • Übung (Anwendung)
  • Reflexion (Besprechung)

Ein Training sollte also wie ein Sandwich aus wechselnden Schichten bestehen. Kurze Inputs wechseln sich mit Übungen ab: allein, in Partnerarbeit oder in Kleingruppen.

Habe ein Repertoire an kurzen, gezielten Übungsaufgaben, die den Stoff einprägen.

4. Die Teilnehmenden dort abholen, wo sie stehen

Jede Gruppe ist anders. Unterschiedliche Vorkenntnisse, Erwartungen und Lernbedürfnisse gehören dazu.

Ermittele zu Beginn die Vorkenntnisse. Frage nach Erwartungen und Lernzielen. Passe den Trainingsplan flexibel an.

Je besser du „andocken“ kannst, desto höher sind Akzeptanz, Vertrauen und Motivation.

5. Informationen häppchenweise vermitteln

Die Grundprinzipien der Didaktik gelten besonders in IT-Trainings:

  • Vom Leichten zum Schweren
  • Vom Bekannten zum Unbekannten

Liefere Inhalte in kleinen, verdaulichen Portionen. Erst wenn ein Schritt verstanden und geübt ist, kommt der nächste. Zu viele Informationen auf einmal wirken wie eine Mahlzeit, die schwer im Magen liegt und sie wird nicht verdaut.

6. Lead-in, Lead-over, Lead-out

Ein gelungener Lernprozess folgt einem Dreiklang:

  • Lead-in (Einleitung): Stelle den Nutzen klar. Warum ist dieses Thema wichtig? Was bringt es den Teilnehmenden?
  • Lead-over (Überleitung): Baue einen roten Faden, indem du Inhalte verknüpfst.
  • Lead-out (Abschluss): Wiederhole, fasse zusammen, sichere Erkenntnisse.

Viele Trainer springen direkt ins Thema und vergessen Einleitung oder Zusammenfassung, dadurch geht Lernmotivation verloren.

7. Mehr als nur Bildschirm zeigen

Natürlich gehört es dazu, Software über Beamer oder Bildschirm zu demonstrieren. Aber: Nur den Bildschirm zu zeigen reicht oft nicht. Nutze Flipchart oder Whiteboard, um Abläufe zu visualisieren. Erstelle Papier- oder PDF-Übersichten (z. B. Befehlslisten, Prozessschritte). Visualisierungen machen abstrakte Inhalte greifbarer und ein Bild sagt mehr als tausend Worte.

8. Blickkontakt halten – nicht nur den Bildschirm anschauen

Ein typischer Fehler: Der Trainer spricht mehr mit dem Bildschirm als mit den Menschen.

  • Achte bewusst auf deine Teilnehmenden.
  • Halte Blickkontakt, lies Körpersignale.
  • Arbeite ggf. mit Funkmaus oder Co-Trainer, um dich frei im Raum bewegen zu können.

Manche Trainer lassen Teilnehmende selbst die „Bedienung“ übernehmen. Auch das schafft Interaktion und entlastet.

9. Heterogene Gruppen berücksichtigen

In IT-Trainings gibt es oft große Unterschiede: vom „Technik-Profi“ bis zum „Anfänger“.

Führe zu Beginn eine kurze Abfrage zu Vorkenntnissen durch. Plane optionale Vertiefungsaufgaben für Fortgeschrittene und einfache Übungen für Einsteiger.

IT-Trainings sind dann erfolgreich, wenn Fachkompetenz mit didaktischer Kompetenz verbunden wird. Es reicht nicht, ein Programm zu kennen. Entscheidend ist, ob du es verständlich, praxisnah und lebendig vermitteln kannst.

Mit diesen acht Tipps schaffst du es, auch komplexe Software so zu präsentieren, dass sie für deine Teilnehmenden verständlich, einprägsam und direkt nutzbar wird.

Dont's, um ein erfolgreiches Seminar durchzuführen

Auch die besten Fachkenntnisse garantieren noch kein gelungenes IT-Training. Entscheidend ist, wie Inhalte vermittelt werden und welche Fehler dabei vermieden werden. Denn gerade im IT-Bereich gilt: Ein überforderter oder frustrierter Teilnehmer nimmt wenig mit. Hier sind die häufigsten „Don’ts“ im IT-Training:

1. Zu viele Informationen in zu kurzer Zeit

Aus Zeitdruck oder mit der besten Absicht, „alles“ zu zeigen, rasen viele Trainer durch die Inhalte. Doch genau das führt zum Gegenteil:

  • Teilnehmende schalten irgendwann innerlich ab.
  • Manche wechseln in den „Standby-Modus“ oder lenken sich mit Gesprächen ab.
  • Nachhaltiges Lernen findet kaum statt.

Besser: Inhalte dosieren, Pausen einplanen, Übungen einstreuen. So bleibt mehr hängen und die Gruppe bleibt aktiv dabei.

2. Immer dieselbe Arbeitsweise

Beamer an, Trainer zeigt, Teilnehmende klicken nach. Diese „Vormachen–Nachmachen“-Methode ist weit verbreitet, aber monoton. Wer nur eine Methode nutzt, erzeugt schnell Langeweile.

Abwechslung ist entscheidend:

  • Partnerübungen („Erkläre deinem Nachbarn den letzten Schritt“)
  • Gruppenaufgaben
  • kurze Reflexionsrunden oder Quizfragen

So bleibt das Training lebendig.

3. Fachkompetenz als Falle – fehlende Sozialkompetenz

Viele IT-Trainer sind fachlich absolute Profis. Doch gerade diese Expertise kann zur Falle werden:

  • Sie können sich schwer in Einsteiger hineinversetzen.
  • IT-Slang und Fachjargon wirken abschreckend.
  • Manchmal fehlt Geduld für „dumme Fragen“.

Die berüchtigten „DAU-Witze“ (dümmster anzunehmender User) zeigen, wie schnell eine herablassende Haltung entsteht. Ein guter IT-Trainer braucht nicht nur Fachwissen, sondern auch Empathie, Kommunikationstalent und Geduld.

4. Ungünstige Räume und Ausstattung

Schulungen scheitern oft nicht am Trainer, sondern an den Rahmenbedingungen:

  • kleine, stickige Räume ohne Tageslicht
  • zu wenig PCs oder fehlende Software-Lizenzen
  • Kabelsalat, an dem man fast stolpert

Auftraggeber sollten wissen: Selbst der beste Trainer kann wenig bewirken, wenn die Trainingsumgebung nicht lernfreundlich ist.

5. Fehlende Didaktik und fehlender roter Faden

Ein weiteres No-Go: Training ohne Struktur. Typische Fehler:

  • Inhalte werden unsystematisch erklärt.
  • Es fehlt die Trennung von Wichtigem und Unwichtigem.
  • Praxisbeispiele werden kaum genutzt.

Hinzu kommt: Wenn Teilnehmende andere Themenwünsche äußern und diese ignoriert werden, sinkt die Motivation spürbar.

Ein roter Faden, klare Lernziele und Flexibilität sind unverzichtbar.

6. Zu komplizierte Ausdrucksweise

Viele IT-Profis sprechen im Technik-Slang und wundern sich, wenn niemand mehr folgt.

Ein Beispiel: „Dieses Notebook hat einen i7-Prozessor der 12. Generation, 16 GB DDR5 RAM, eine 1-TB-NVMe-SSD und eine RTX-4060-Grafikkarte.“ Für Laien klingt das wie eine Fremdsprache. Die meisten wollen schlicht wissen: „Läuft damit mein Büroalltag reibungslos und kann ich Videokonferenzen und vielleicht auch mal ein Grafikprogramm nutzen?“

Gute IT-Trainer übersetzen Fachsprache in Alltagssprache: bildhaft, verständlich und mit Beispielen, die zum Arbeitskontext der Teilnehmenden passen..

7. Trainer spricht – Teilnehmende tippen

Ein typisches Szenario: Teilnehmende arbeiten am PC. Jemand stellt eine Zwischenfrage. Der Trainer erklärt, aber viele hören gar nicht zu, weil sie noch tippen.

Das Ergebnis: Wichtige Informationen gehen verloren.

Lösung: Klare Stopps einbauen („Bitte alle kurz zuhören“), Aufgaben unterbrechen und erst dann Erklärungen geben.

8. Standardbeispiele ohne Praxisbezug nutzen

Übungen, die nichts mit der Arbeitsrealität zu tun haben, wirken langweilig. Vermeide generische Beispiele („Kundendatenbank mit Müller/Meier/Schulze“). Besser: echte Fälle oder praxisnahe Szenarien.

Ein erfolgreiches IT-Training lebt nicht nur von Fachwissen, sondern von Didaktik, Methodik und Sozialkompetenz. Wer zu viel Stoff auf einmal präsentiert, nur eine Methode nutzt oder in Fachjargon spricht, verliert seine Teilnehmenden. Die gute Nachricht: Viele dieser Stolperfallen lassen sich vermeiden und genau hier setzen Train-the-Trainer-Programme für IT-Trainer an. Sie helfen, Fachprofis zu didaktischen Profis zu machen.