Trainerpersönlichkeit (Nr.23)

Welche sechs persönliche Faktoren des Trainers beeinflussen den Seminarerfolg?


TrainerpersönlichkeitDass die Persönlichkeit des Trainers, seine Vorlieben und Kompetenzen fast noch mehr den Trainingserfolg beeinflussen als der Inhalt eines Seminars, ist hinreichend bekannt. Umso mehr fragt man sich als Teilnehmer und Beobachter, ob manche Trainer es nicht für nötig halten, das, was sie predigen, auch vor zu leben.

Beispiele dafür sind Legion. Eben haben wir über einen Trainer gesprochen, der Bedarfsanalyse predigt, sie aber selbst unterlässt. Von einigen Trainern ist bekannt, dass sie viel und oft vom Rapport reden - dem guten Draht zu anderen Menschen - diesen jedoch im Kaffeegespräch in der Seminarpause selbst nicht zustande bringen. Das ist alles menschlich und entschuldbar - Trainer sind keine Götter. Leider messen die Teilnehmer den Trainer nicht nur danach, was er sagt, sondern auch danach, was er tut. Und wenn beides sich widerspricht, ergibt sich eine Inkongruenz - ein klassischer Lernverhinderer.

 

Wir überzeugen durch unsere Persönlichkeit.Walt Whitman 

Neben der Vorbildfunktion beeinflussen sechs persönliche Faktoren eines Trainers seinen Trainingserfolg:

1. Fachwissen

2. Positive Einstellung zum Thema

3. Wertschätzung

4. Humor

5. Kompetenz, mit Gruppen um zu gehen

6. Kommunikationskompetenz

 

Diese sechs Punkte sind jedem Trainer bekannt - oft jedoch nicht deren Konsequenzen. Unter Fachwissen verstehen Trainer nämlich regelmäßig etwas anderes als ihre Teilnehmer. Eine Führungskraft hält einen Trainer für fachkompetent, wenn dieser "mitreden" kann - nicht wenn er bestimmte Führungsmethoden beherrscht. Das mag ungerecht sein - aber es ist nun mal so. Zur Fachkompetenz gehört beides: technische und praktische Kompetenz.

 

Auch die positive Einstellung lässt oft zu wünschen übrig. Bedenken Sie: Selbst freiwillig anwesende Teilnehmer leiden am Seminarthema, weil sie sich verändern müssen - das bedeutet Lernen schließlich. Da treten häufig Enttäuschungen und Entmutigungen auf. Diese muss der Trainer auffangen - und nicht auch noch in dieselbe Kerbe hauen, indem er das Thema unnötig problematisiert. Von Trainern wird wie selbstverständlich Wertschätzung erwartet. Und jede(r) ist auch fest davon überzeugt, sie zu geben.

 

Im Gegensatz zu den Teilnehmern, die manchmal klagen: "Ich kam mir richtig blöd bei meiner Zwischenfrage vor - wenn der Trainer schon so kritisch guckt!" Problemlosen Teilnehmern Wertschätzung zu zeigen, kann jeder. Dazu muss ich kein Trainer sein. Die Kompetenz eines Trainers zeigt sich erst dann, wenn es darum geht, in schwierigen Situationen schwierigen Teilnehmern mit schwierigen Anliegen Wertschätzung zu zeigen.

Ähnlich verhält es sich mit dem Humor als lernförderlichem Mittel. Jeder weiß, dass mit Humor alles leichter fällt; auch das Lernen. Warum wird er dann so selten praktiziert? Weil viele meinen, Humor ergebe sich von selbst. Nichts stimmt weniger. Humor ist Traineraufgabe. Suchen Sie ihn mit der Lupe. Trainieren Sie sich selbst darin, vieles einfach mit Humor zu nehmen. Dazu zählt auch, sich selbst nicht so ernst zu nehmen. Eine schwierige Aufgabe? Sicher.

 

Doch um schwierige Aufgaben zu lösen, sind wir Trainer geworden. Durch die eigene Persönlichkeit zu überzeugen, fällt am Anfang naturgemäß schwerer. Es fällt nach und nach leichter - aber nur, wenn Sie die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit als Aufgabe sehen und praktizieren. Viele Trainer überlassen das dem Zufall. Hoffen darauf, dass die Erfahrung sie reifen lässt. Eine trügerische Hoffnung. Denn um aus Erlebnissen Erfahrungen zu machen, benötigt es die aktive Reflexion, Veränderungswillen und persönliches Change Management. Investieren Sie in die eigene Persönlichkeit. Besuchen Sie Fortbildungen. Es lohnt sich. Für Sie und Ihre Teilnehmer.

 

Autor: Ingo Krawiec, Krawiec Consulting

Zweite, überarbeitete Fassung vom 11.03.2014