Besser mit dem Chef klarkommen

Was kannst du tun, wenn es mit deinem Chef mal nicht so richtig funktioniert?

Besser mit dem Chef klarkommen: Grafik zur konstruktiven Kommunikation zwischen Mitarbeitenden und Führungskraft

 

 

Viele Mitarbeiter klagen über ihre Vorgesetzten – manchmal offen, manchmal nur im Stillen. Studien zum Betriebsklima zeigen: Nur wenige sind wirklich zufrieden mit ihrem Chef oder ihrer Chefin. Doch Klagen allein verändert nichts. Du hast immer eine Wahl: weiterjammern, dich zurückziehen – oder aktiv etwas verändern.

Denn eines ist klar: Du bist auf deinen Vorgesetzten angewiesen, arbeitest mit ihm zusammen und möchtest, dass diese Zusammenarbeit angenehm und gewinnbringend ist. Nur so kannst du langfristig zufrieden und motiviert bleiben.

Opferrolle oder Eigenverantwortung?

Oft steckt hinter einer schwierigen Beziehung zum Chef das Gefühl, Opfer der Situation zu sein. Der innere Satz klingt dann etwa so:

  • „Wenn mein Chef nicht wäre, würde ich …“

Doch mit dieser Haltung gibst du die Verantwortung komplett ab – und damit auch die Möglichkeit, etwas zu verändern.
Veränderung beginnt erst dort, wo du Verantwortung übernimmst.

Nur wer aktiv an der Beziehung arbeitet, kann sie wirklich gestalten. Ein gestörtes Verhältnis zwischen Mitarbeiter und Vorgesetztem ist selten nur einseitig. Beide tragen ihren Teil dazu bei – bewusst oder unbewusst. Es ist wie die alte Frage nach Henne und Ei: Wer hat angefangen?
Doch wichtiger als Schuld ist die Frage:

  • „Was kann ich jetzt tun, damit es besser wird?“

Alte Muster – neue Chancen

Beziehungen zu Vorgesetzten sind oft emotional aufgeladen, weil sie unbewusst Erinnerungen an frühere Autoritätserfahrungen wecken – etwa mit Eltern, Lehrern oder früheren Chefs.
So kann ein aktueller Konflikt in Wahrheit etwas Vergangenes aktivieren: alte Gefühle, alte Verletzungen, alte Reaktionsmuster.

Wenn du das erkennst, kannst du dich davon bewusst lösen. Anstatt automatisch zu reagieren, kannst du lernen, anders zu handeln – gelassener, klarer, souveräner.

Sich diese Dynamiken bewusst zu machen, ist ein wichtiger Schritt zu einer reifen, professionellen Zusammenarbeit.

Love it, leave it or change it.

Diese drei Möglichkeiten fassen es treffend zusammen:

  • Love it – Akzeptiere, was du nicht ändern kannst, und konzentriere dich auf das Positive.
  • Leave it – Wenn nichts mehr geht, prüfe, ob ein Wechsel die bessere Lösung ist.
  • Change it – Wenn du bleiben willst, dann ändere, was du ändern kannst – vor allem deine Haltung und dein Verhalten.

Deine Beziehung zu deinem Chef ist kein Schicksal, sondern Gestaltungssache. Je klarer, selbstverantwortlicher und reflektierter du agierst, desto größer wird dein Einfluss auf die Qualität eurer Zusammenarbeit – und auf dein eigenes Wohlbefinden im Job.

Was kannst du tun, um mit deinem Vorgesetzten besser klarzukommen?

Eine gute Beziehung zum Chef entsteht nicht von selbst – sie will aktiv gestaltet werden. Mit den folgenden Strategien kannst du Schritt für Schritt mehr Verständnis, Klarheit und Erfolg in der Zusammenarbeit aufbauen.

1. Der Chef ist mein Kunde

Die Haltung, deinen Chef als Kunden und dich selbst als Dienstleister zu sehen, kann vieles verändern. Auch wenn du dir vielleicht manchmal einen anderen Chef wünschen würdest – er ist dein „Kunde“, und Kunden sind die wichtigsten Personen im Geschäft.

Das bedeutet nicht, dass du dich unterwürfig oder klein machst – im Gegenteil:

  • Wer sich klein macht, wird auch so behandelt.

Frage dich stattdessen:

Was braucht mein Chef – und wie kann ich das liefern?

Betreibe kleine „Marktforschung“:

  • Welche Themen sind ihm wichtig?
  • Wie tickt er in Meetings?
  • Was erleichtert ihm den Alltag?

Je besser du seine Bedürfnisse kennst, desto gezielter kannst du agieren. Und wie in jeder guten Geschäftsbeziehung gilt:

Wer gibt, darf auch etwas zurückerwarten.

Verbessere deinen Kundenservice – und du verbesserst eure Beziehung.

2. Vorgesetzte sind wie das Wetter

Vorgesetzte sind wie das Wetter: Man kann sie nicht ändern, aber man kann sich darauf einstellen. Oder wie die Engländer sagen:

  • „Es gibt kein schlechtes Wetter – nur unpassende Kleidung.“

Akzeptiere deinen Chef, wie er ist, und finde Strategien, besser mit ihm umzugehen, statt dich über ihn zu ärgern.

Frag dich:

  • Wie sieht meine „Schlechtwetterkleidung“ im Job aus?
  • Welche Strategien haben schon funktioniert?
  • Welche Verhaltensweisen könnte ich ausprobieren?

Arbeite nach dem Prinzip Versuch und Irrtum: Wenn etwas nicht funktioniert, probiere etwas Neues aus. Flexibilität ist oft der Schlüssel zu einem entspannteren Miteinander.

3. Gestalte aktiv die Beziehung zu deinem Chef

Viele warten darauf, dass der Chef auf sie zugeht – aber das kann dauern.
Nimm die Beziehung selbst in die Hand.

Geh aktiv auf deinen Chef zu, führe Smalltalk, zeig Interesse. Ein ehrliches Lob („Das haben Sie gut gelöst.“) kann Wunder wirken. Finde heraus, was ihn motiviert, was ihm wichtig ist – und baue darauf auf.

Das nennt man „Führung von unten“:

Du übernimmst Verantwortung für den Umgang und gestaltest die Zusammenarbeit bewusst und respektvoll.

4. Tue Gutes – und rede darüber

Diese alte Karriereweisheit gilt noch immer: Gute Leistungen allein reichen nicht.

Wenn dein Chef dein Kunde ist, musst du dich auch verkaufen können – ohne aufdringlich zu wirken.
Erinnere ihn regelmäßig an deine Erfolge und Beiträge: „Das Projekt X konnte ich letzte Woche erfolgreich abschließen.“

Das ist kein Angeben, sondern professionelles Selbstmarketing. Zeig Fingerspitzengefühl – bleib authentisch, aber mach sichtbar, was du leistest.

5. Steter Tropfen höhlt den Stein

Wenn dich etwas stört, sprich es an – und gib nicht gleich auf, wenn sich beim ersten Mal nichts ändert.

Ein Chef hat viele Themen im Kopf. Einmalige Hinweise können leicht untergehen – Wiederholung schafft Wirkung.

Bleib freundlich, aber konsequent. Wenn etwas wichtig ist, erinnere ihn immer wieder daran – mit Geduld und Beharrlichkeit. Manchmal braucht Veränderung einfach mehrere Anläufe.

6. Wenn gar nichts mehr geht – lass es eskalieren

Wenn du wirklich alles versucht hast, kann es sinnvoll sein, eine Hierarchiestufe höher zu gehen.
Das sollte jedoch die letzte Option sein.

Informiere deinen Chef vorher, bevor du seine Vorgesetzten kontaktierst – das zeigt Fairness und Professionalität.

Er bekommt so noch einmal die Chance, selbst aktiv zu werden. „By-Passing“ (an jemandem vorbeigehen) ist heikel – aber manchmal notwendig, wenn sich sonst nichts bewegt.

7. Bringe gute Argumente

Viele Chefs sind rhetorisch stark – deshalb lohnt sich eine gute Vorbereitung.

Mach dir im Vorfeld klar:

  • Was will ich erreichen?
  • Welche Argumente sprechen dafür?
  • Welche Einwände könnten kommen – und wie reagiere ich darauf?

Zeig Rückgrat und bleib ruhig, auch wenn dein Chef kritisch wird. Eine gute Vorbereitung ist der beste Schutz vor Überraschungen – und stärkt deine Überzeugungskraft.

8. Du hast deinen Chef selbst gewählt

Mach dir bewusst: Du hast dich für dieses Unternehmen entschieden – und damit auch für diesen Chef. Wenn du dauerhaft unzufrieden bist, kannst du immer überlegen, ob ein Wechsel sinnvoll ist.

Natürlich ist das nicht immer leicht – aber die innere Haltung zählt:

  • „Ich bleibe, weil ich will – nicht, weil ich muss.“

Wer sich als abhängig sieht, hat wenig Einfluss. Wer sich als selbstbestimmt erlebt, wirkt stark und souverän. Deine innere Haltung entscheidet über deine äußere Wirkung.

9. Entwickle dein berufliches Netzwerk

Ein starkes Netzwerk ist wie ein Sicherheitsnetz. Vernetze dich mit Kollegen, tausche dich aus, baue Beziehungen auf – innerhalb und außerhalb des Unternehmens.

Wenn du gut vernetzt bist, kannst du auf Rückhalt, Wissen und Unterstützung zurückgreifen. Das gibt Sicherheit und stärkt deine Position – auch in schwierigen Zeiten.

Networking ist kein Geheimbund, sondern eine Investition in deine Zukunft. Es öffnet Türen, schafft Vertrauen und macht dich unabhängiger.

 

Mit dem Chef besser klarzukommen heißt nicht, ihn zu verändern – sondern deine Haltung und Strategie zu verfeinern. Je bewusster du handelst, desto mehr Einfluss hast du auf die Zusammenarbeit. Oder kurz gesagt: „Love it, change it – or leave it.“ Du hast immer eine Wahl.