Umgang mit Macht (Nr.7)

Welche Machtquellen gibt es und wie kann man mit Machtspielen umgehen?


Umgang mit MachtJeder, der in Organisationen oder Unternehmen arbeitet, muss sich mit Macht und Mächtigen auseinandersetzen oder selber Macht einsetzen. Macht hat derjenige in einer Beziehung, der die Verhaltensweisen seines Gegenüber in einem stärkeren Maß beeinflussen kann. Oder kurz: Wer stärker Kontrolle auf den anderen ausüben kann, ist der Mächtigere. In der Regel sind dies unsere Vorgesetzten oder wir selbst als Führungskraft. Wie mächtig eine Person ist, hängt immer auch davon ab, wie viel Macht man einer Person zugesteht. Der Kinderspruch "Lieber Gott gibt doch zu, dass ich schlauer bin wie Du." signalisiert, sobald man sich selbst über andere definiert, ist man abhängig.

 

Gebrauche deine Macht wie ein paar Zügel, nicht wie eine Peitsche. Mongolisches Sprichwort

 

 

Wer Macht hat, kann andere beeinflussen. Führungskräften stehen verschiedene Machtquellen (French, Raven) zur Verfügung:

1. Macht durch Belohnung

Derjenige, der in Beziehungen Belohnungen in Aussicht stellen kann, hat Macht. Typische Belohnungsstrategien sind Lohnerhöhungen, Karriere oder Fördermaßnahmen. Wenn die Belohnung auf Dauer versagt wird, ist Demotivation die Folge.

 

2. Macht durch Bestrafung

Durch das Durchsetzen von Verhaltensweisen wie Abmahnung, Versetzung, Entlassung oder Lohnabzug wird Druck auf den Mitarbeiter ausgeübt.

 

3. Macht durch Persönlichkeit und Beziehung

Dadurch, dass der Vorgesetzte von den Mitarbeitern sehr geschätzt wird und sie sich mit dem Vorgesetzten identifizieren und ihm gefallen möchten, hat er Einfluss auf die Mitarbeiter.

 

4. Expertenmacht

Der Vorgesetzte hat ein detaillierteres Fachwissen und verfügt über spezifische Fähigkeiten. Je höher der Wissens- und Fähigkeitsvorsprung, um so größer ist die Macht. Menschen mit Expertise wird vertraut.

 

5. Legitimationsmacht

Hierarchien werden von den Mitarbeitern akzeptiert und anerkannt. Aus einer gewissen Position ergeben sich Beeinflussungsmöglichkeiten, soweit diese Position von den anderen akzeptiert wird.

 

6. Informationsmacht

Durch einen Informationsvorsprung kann der Vorgesetzte Macht ausüben. Hier gilt die alte Weisheit "Wissen ist Macht".Macht kann hier auch durch überzeugende Argumente ausgeübt werden. Je nachdem mit welcher Unternehmenskultur und mit welchen Mitarbeitern es der Vorgesetzte zu tun hat, wird die eine oder andere Machtquelle eingesetzt.

 

Im Grunde setzt jeder mehr oder minder Macht ein, um andere zu beeinflussen. Wenn wir versuchen, jemand durch Argumente zu überzeugen, setzen wir unsere Informationsmacht ein. Wenn wir jemanden nach etwas fragen, wird der andere es uns geben, je nachdem welche Persönlichkeitsmacht wir haben.

 

Jeder Verkäufer setzt mehr oder weniger Macht ein, um etwas zu verkaufen. Wenn der Kunde auch etwas davon hat, ist dies auch in Ordnung. Es ist also nützlich, Macht zu nutzen, wenn wir etwas erreichen wollen. Manchmal eröffnen wir ein sogenanntes Machtspiel (Power Play), welches dann immer in einen eindeutigen Gewinner und Verlierer mündet.

 

Wir nutzen Machtspiele, wenn wir etwas erreichen wollen und wir vermuten, dass der andere nicht freiwillig mitspielt. Es wird nicht versucht, durch Fragen und Argumentation etwas zu erreichen, sondern es wird in Richtung Machtkampf gespielt. Ein typisches Machtspiel ist das "Alles-oder-nichts-Spiel". Angestellte spielen dies, wenn Sie mehr Geld wollen, nach dem Motto "Wenn ich nicht mehr Geld bekomme, kündige ich".

 

Eheleute spielen dies nach dem Motto "Wenn du nicht dies und jenes tust, verlasse ich dich". Dies wird auch als die "Love-or-Leave-me"- Variante gespielt.

 

Chefs konfrontieren Mitarbeiter "Wenn Sie Ihre Aufgabe nicht korrekt erledigen, dürfen Sie gehen". Solche Spiele hinterlassen immer einen bitteren Beigeschmack, da der andere häufig ein Verlierer wird, welcher später versucht, selber wieder ein Gewinner zu sein. Machtspiele dienen dazu, die andere Person den eigenen Zwecken unterzuordnen. Voraussetzung für ein"Alles-oder-nichts-Spiel" ist, dass der Machtspieler ein knappes Gut (Geld, Status, Anerkennung usw.) hat, welches wir unbedingt benötigen.

 

 

 

Was kann man tun, wenn jemand ein unfaires Machtspiel mit uns beginnt oder Macht unangemessen einsetzt?

1. Neutralisiere das Machtspiel und kooperiere!

Machtspiele ziehen häufig einen Rüstungswettlauf nach sich. Durch die Neutralisation durchkreuzen wir das Machtspiel unseres Gegenübers, indem wir bereit sind, auf das Gut, was uns der andere bietet zu verzichten: "Ich schätze Ihr Produkt (oder Arbeit, Anwesenheit), bin aber nicht darauf angewiesen."Wir steigen aus dem Machtspiel dadurch aus, dass wir bereit sind, auf eigene Ziele, Wünsche und Erwartungen zu verzichten. Somit wird die Macht des anderen neutralisiert. Danach können wir wieder ein normales Gespräch führen.

 

Wenn uns unser Chef mit der Kündigung droht, antworten wir ihm, dass wir die Arbeit sehr schätzen, aber wenn nichts mehr hilft, wir tatsächlich gehen. Jedoch signalisieren wir unsere Bereitschaft zum Gespräch.

 

Weiterhin können wir aus dem Machtspiel aussteigen, indem wir es zum Thema machen: "Herr Meier, ich finde es im Moment nicht hilfreich, wenn wir nur über eine Alles-oder-nichts-Alternative nachdenken, lassen sie uns nochmals neu ins Gespräch kommen."

 

Natürlich kann man ein Machtspiel nur neutralisieren, wenn man eine Position der Unabhängigkeit erreichen kann. Manchmal kann es hilfreich sein, sich in einem Machtspiel eine Auszeit zu nehmen, um über die Situation nachzudenken. Ein einfaches Stopp! unterbricht die meisten Machtspiele.

 

2. Spiele besser!

Manchmal mag es sinnvoll sein, einen kämpferischen Gegenzug zu unternehmen und in die Eskalation eines Machtspieles zu gehen. In den meisten Fällen lässt sich ein Machtspiel neutralisieren und es ist möglich zu kooperieren. Wenn jedoch alles nicht hilft, müssen wir in das Gewinner-Verlierer-Spiel einsteigen und versuchen, dieses Spiel zu gewinnen. Wenn es in manchen Ländern keinen Krieg gegen die Diktatoren gegeben hätte, gäbe es so manche Diktatur immer noch.

 

3. Gebe nach!

Je nachdem, wie stark die andere Partei ist, kann es unter Umständen auch sinnvoll sein, nachzugeben. Wenn in einer U-Bahn ein Dieb vor uns steht, uns mit einer Magnum bedroht und den typischen Satz sagt "Geld oder Leben", dann kann es durchaus zweckmäßig sein, bei diesem Machtspiel nachzugeben. Macht ist nicht an sich gut oder schlecht. Es hängt davon ab, wie Macht eingesetzt wird. Je nachdem, wie wir Macht gebrauchen, wird sie mit Manipulation, Ausbeutung und Gewalt oder mit Selbstbehauptung, Kraft und Lebendigkeit assoziiert.

 

Literatur: Claude Steiner, Macht ohne Ausbeutung, 1998