Umgang mit Macht
Welche Machtquellen gibt es und wie kann man mit Machtspielen umgehen?
Wer in Organisationen oder Unternehmen arbeitet, begegnet unweigerlich Macht und Mächtigen – sei es als Führungskraft oder als Mitarbeitende.
Macht bedeutet: Wer das Verhalten seines Gegenübers in höherem Maß beeinflussen kann, hat mehr Kontrolle – und damit Macht. Doch: Macht existiert nur, wenn wir sie anderen zugestehen.
Das alte Kinderspiel „Lieber Gott, gib doch zu, dass ich schlauer bin als du“ zeigt, wie Abhängigkeit entsteht, sobald man sich über andere definiert.
Gebrauche deine Macht wie ein paar Zügel, nicht wie eine Peitsche.
Machtquellen nach French & Raven
1. Belohnungsmacht
Wer Belohnungen versprechen kann (z. B. Gehaltserhöhung, Karrierechancen, Fördermaßnahmen), hat Einfluss. Bleiben Belohnungen aus, entsteht Demotivation.
2. Bestrafungsmacht
Macht durch Androhung oder Umsetzung negativer Konsequenzen (z. B. Abmahnung, Versetzung, Kündigung, Gehaltskürzung). Dies ist wirksam, aber langfristig meist destruktiv.
3. Beziehungs- und Persönlichkeitsmacht
Wer geschätzt, respektiert und bewundert wird, kann über Sympathie und Identifikation Einfluss ausüben.
4. Expertenmacht
Fachwissen und besondere Fähigkeiten verschaffen Autorität. Je größer der Wissensvorsprung, desto stärker die Wirkung. Andere akzeptieren Einfluss, weil sie den Experten vertrauen.
5. Positionsmacht
Macht aus der Position heraus. Sie wirkt nur, wenn die Hierarchie von den anderen akzeptiert wird. Sie wird abgeleitet aus der Rolle oder Funktion (z. B. Vorgesetzte, Trainer, Moderator).
6. Informationsmacht
Wer über Informationen verfügt oder überzeugende Argumente hat, beeinflusst Entscheidungen. „Wissen ist Macht.“
Machtspiele – und wie sie wirken
Macht wird im Alltag ständig eingesetzt – bewusst oder unbewusst. Verkäufer nutzen sie, Führungskräfte ebenso. Problematisch wird es, wenn daraus Machtspiele entstehen: Situationen, in denen einer versucht, seinen Willen mit Druck statt Dialog durchzusetzen.
Typische Beispiele:
- Alles-oder-nichts-Spiel: „Wenn ich keine Gehaltserhöhung bekomme, kündige ich.“
- In Beziehungen: „Wenn du das nicht tust, verlasse ich dich.“
- Vorgesetzte: „Wenn Sie die Aufgabe nicht korrekt erledigen, können Sie gehen.“
Das Ergebnis: Gewinner und Verlierer. Doch Verlierer suchen meist später eine Gelegenheit, das Machtverhältnis wieder auszugleichen.
Strategien im Umgang mit Machtspielen
1. Neutralisieren und kooperieren
- Steigen Sie aus dem Spiel aus, indem Sie Unabhängigkeit signalisieren.
- Beispiel: „Ich schätze die Zusammenarbeit sehr, bin aber nicht völlig darauf angewiesen.“
- Benennen Sie das Spiel offen: „Ich finde es nicht hilfreich, nur in Schwarz-Weiß zu denken – lassen Sie uns neu ins Gespräch gehen.“
- Ein „Stopp“ oder eine Auszeit unterbricht oft die Dynamik.
2. Besser spielen
- Wenn Neutralisieren nicht hilft, kann es notwendig sein, den Machtkampf anzunehmen und durchzuhalten.
- Geschichte zeigt: Ohne Widerstand gegen Machtmissbrauch gäbe es manche Diktatur noch heute.
3. Nachgeben
- In extremen Situationen kann Nachgeben sinnvoll oder lebenswichtig sein.
- Beispiel: Ein Überfall in der U-Bahn („Geld oder Leben“) – hier ist Kooperation klüger als Eskalation.
4. Erkennen und benennen
- Schon das Wahrnehmen und ruhige Ansprechen („Ich habe den Eindruck, dass …“) nimmt vielen Spielen die Wirkung.
5. Gelassen bleiben
- Nicht emotional einsteigen. Wer mit gleicher Münze zurückzahlt, verstärkt das Spiel.
6. Auf die Sachebene lenken
- Gespräch auf Fakten, Inhalte oder Ziel zurückführen. „Lassen Sie uns zur Sache zurückkommen …“
7. Eigene Machtquellen nutzen
- Expertenwissen, Beziehungsebene oder Moderationsrolle bewusst einsetzen. Transparenz und Klarheit stärken die eigene Position.
8. Offene Kommunikation fördern
- Rückmeldungen geben, Gefühle spiegeln („Ich merke, Sie sind sehr kritisch – worum geht es Ihnen konkret?“).
10. Grenzen setzen
- Wenn Machtspiele destruktiv werden, klare Regeln oder Konsequenzen formulieren.
11. Allianzen bilden
- Gerade in Gruppen hilft es, auf Unterstützung anderer zu bauen und Machtspiele nicht isoliert auszutragen.
Macht ist weder gut noch schlecht. Entscheidend ist, wie sie eingesetzt wird. Macht entsteht aus unterschiedlichen Quellen: Position, Wissen, Beziehungen oder Persönlichkeit. Sie ist ein normaler Teil menschlicher Interaktion.
- Missbrauch von Macht führt zu Manipulation, Abhängigkeit und Gewalt.
- Konstruktiver Umgang mit Macht zeigt sich in Selbstbehauptung, Klarheit, Fairness und Lebendigkeit.
Wer die Machtquellen kennt und Machtspiele erkennt, kann souveräner handeln – und Konflikte in Richtung Kooperation statt Konfrontation lenken.