Entertrainment und Infotainment (Nr.28)

Wie können Seminare durch Entertainment-Elemente aufgelockert werden?


Entertrainment und Infotainment

Entertrainment ist ein neues Modewort, welches durch die Trainerszene schwirrt. Reiner Czichos nimmt diesen Begriff in seinem Buch "Entertrainment für Knowbodies" auf, leider ohne dieses Thema wirklich zu vertiefen. Man könnte Entertrainment in etwa übersetzen mit Unterhaltungstraining, d.h., ein Training sollte so unterhaltend sein, dass es auch Spaß macht.

Dies ist eigentlich nichts Neues, da man natürlich lieber Trainings besucht, bei denen das Lernen Spaß macht und der Trainer nicht "trocken" die Inhalte vermittelt. Jeder Trainer hat auch die Rolle des Entertainers neben der Rolle des Fachexperten, des Methodenspezialisten, des Moderators, des Beraters und so weiter.

 

Den Gedanken des "FLOW-Erleben" von Mihaly Csikszentmihalyi finde ich auf das Training bezogen ebenfalls hilfreich. FLOW ist ein erstrebenswerter Bewusstseinszustand, wo man in einer Tätigkeit voll aufgeht und dabei Befriedigung, Vergnügen, Freude und Glück empfindet. Training sollte ein Prozess sein, bei dem man nicht auf die Uhr schaut, ganz in den Themen aufgeht und voll mit Interesse dabei ist. Das heißt, der Trainer sollte die Teilnehmer in den so genannten FLOW-Zustand bringen. Dies ist ein Ziel, welches für jedes Trainings gelten sollte.

 

Wer die Lacher auf seiner Seite hat, ist noch lange kein Spaßmacher Friedrich Löchner

 

Entertrainment ist insofern für Trainings wichtig, da in der heutigen Zeit ohne schmackhafte Verpackung die Dinge einfach nicht mehr aufgenommen und verarbeitet werden. Nur wenige können noch, ohne Druck, Wissen "unverziert" aufnehmen. Diese Entwicklung hat natürlich auch positive Aspekte. Ein Beispiel hierfür ist z.B. der Wetterbericht.

Er ist, gerade durch die Leistungen von Jörg Kachelmann, in den letzten Jahren zu einem spannenden Ereignis geworden. Allerdings dürfen wir Training nicht zum reinen Entertainment verkommen lassen, wie es uns manche Autoren weiß machen wollen. Das Motto: "einen Schuss "Stand-up-Comedy" und alles ist gut" greift hier zu kurz. Lachen im Seminar sagt noch nichts über den Seminarerfolg aus.

 

Wie können Seminare durch Entertainment- Elemente aufgelockert werden?

Erzählen Sie Geschichten, Beispiele und lustige Begebenheiten

Geschichten, Beispiele und lustige Begebenheiten können ein Seminar auflockern. Auch die Art Ihrer Performance als Trainer beeinflusst den Effekt, den eine solche Geschichte bei den Teilnehmern hat.

 

Nutzen Sie szenische Darstellungen

Szenische Darstellungen können das Verstehen von Inhalten erleichtern. Szenische Darstellungen, wie z.B. die eines Führungsstils durch den Trainer, bleiben besser haften.

 

Bringen Sie jeden Tag mindestens einen großen Überraschungseffekt

Überraschungseffekte können das Lernen erleichtern und machen die Teilnehmer wach. Wenn Sie beispielsweise die negativen Auswirkungen von Stress demonstrieren wollen, zerbrechen Sie symbolisch einen Stab.

 

Lernen soll Spaß machen

Wenn das Lernen den Teilnehmern Spaß gemacht hat, ist dies mit das höchste Lob für den Trainer. Achten Sie darauf, dass Sie während des gesamten Seminars eine lockere Lernatmosphäre schaffen und das Interesse der Teilnehmer halten.

 

Nutzen Sie Aktivierungsübungen und Pausenmusik

Gerade Aktivierungsübungen helfen, wenn eine Gruppe müde wirkt. Aktivierungsübungen bringen neue Energie in die Gruppe. Pausenmusik beeinflusst ebenfalls die Seminarstimmung. Achten Sie darauf, dass Ihre Einschaltquoten als Trainer hoch sind Ähnlich wie im Fernsehen, sollten die Teilnehmer nicht abschalten. Gestalten Sie das Seminar so, dass die ganze Zeit die Teilnehmer auf die Inhalte konzentriert und die Aufmerksamkeit im Seminarraum bleibt.

 

Achten Sie darauf, dass Ihre Einschaltquoten als Trainer hoch sind

Ähnlich wie im Fernsehen, sollten die Teilnehmer nicht abschalten. Gestalten Sie das Seminar so, dass die ganze Zeit die Teilnehmer auf die Inhalte konzentriert und die Aufmerksamkeit im Seminarraum bleibt.

 

Rhythmisierung des Seminarverlaufs

Achten Sie darauf, dass der Seminarverlauf rhythmisiert ist, das heißt, wechseln Sie zwischen aktiven und passiven Trainingsphasen. Planen Sie auch einen gewissen Medienwechsel ein. Wechseln Sie zwischen Plenum- und Gruppen-, Partner- und Einzelarbeit. Ein gewisser Rhythmus prägt unser Leben, deswegen ist dies auch im Training sinnvoll. Neben diesen Entertainmentaspekten, zählen nach wie vor die alten Weisheiten, die ein gutes Seminar ausmachen.

 

Was macht ein gutes Seminar aus?

Nachhaltigkeit Nachhaltigkeit meint, dass die Inhalte, die vermittelt worden sind auch irgendwelche nachweisbaren Effekte in der Praxis bringen sollten. Wenn dieser Nutzen nicht vorhanden ist, bringt das ganze Training nichts. Daran ändert die Tatsache nichts, dass die Teilnehmer viel Spaß gehabt haben.

 

Praxis- und Unternehmensrelevanz

Die vermittelten Inhalte helfen den Teilnehmern in Ihrer Praxis oder Ihrem Unternehmen weiter. Es gibt nicht die klassische Trennung zwischen Theorie und Praxis Lebendiger Methodenmix Die Inhalte werden lebendig vermittelt, die Methoden werden gewechselt, so dass eine optimale Lernatmosphäre gegeben ist. Die Teilnehmer haben subjektiv das Gefühl, dass die Zeit im Flug vergeht.

 

Fundierte Kenntnisse und Erfahrungen des Trainers

Training ist nicht gleich Training. Dies hängt vor allem auch von der Qualität des Trainers ab. Hier sind nach wie vor fundierte Fachkenntnisse gefragt. Jedoch reichen Fachkenntnisse ohne eine gelebte Erfahrung nicht aus. Die Erfahrungen mit dem Wissen machen erst die Qualität im Training aus. Jeder junge Psychologiestudent kann z.B. das Kommuniktionsmodell von Schulz von Thun darstellen. Was diese allerdings für die Unternehmenspraxis und das tägliche Leben bedeutet, kann nur unter Zuhilfenahme eigener Erfahrungen vermittelt werden.

 

Personennähe und Intensität

Dies ist vor allem ein wichtiges Kriterium für ein Verhaltenstraining. Ein Training sollte bei den Teilnehmern etwas auslösen und die Probleme des einzelnen berücksichtigen. Es geht in einem Verhaltenstraining nicht nur um reine Wissensvermittlung, sondern auch immer um einen Schuss Persönlichkeitsentwicklung. Hierzu gehört es auch, bei den Teilnehmern eine gewisse Betroffenheit zu erzeugen.

 

Autor: Ingo Krawiec, Krawiec Consulting

Zweite, überarbeitete Fassung vom 05.08.2014