Was ist Train the Trainer?

Defintion, Trainerarten, Trainerkompetenzen, Warum?, Auswahl der Trainerausbildung, Train the Trainer-Konzept


TTT-BildDefinition Train the Trainer
Welche Arten von Trainern gibt es?
Wo findet ein Training statt?
Mit wie vielen Teilnehmern wird ein Training durchgeführt?
Was sind die vier wichtigsten Trainerkompetenzen?
Warum ein Train the Trainer-Seminar?
Was ist bei der Auswahl einer Trainerausbildung wichtig?
Was ist ein Train the Trainer-Konzept?

 

 

 

Definition Train the Trainer

Train the Trainer bedeutet so viel wie „trainiere den Trainer oder die Trainerin“.

„Train“ kommt aus dem Englischen und heißt ausbilden, schulen, drillen und auch erziehen. Im Deutschen wird auch von einer Trainerausbildung gesprochen, wobei eine Ausbildung eher auf eine längere Maßnahme (ab 9 Tagen) hindeutet. In diesem Artikel liegt der Schwerpunkt bei Trainern in der Erwachsenenbildung, welche für Unternehmen oder Organisationen schulen. Für Trainer im Bereich Fitness, Sport oder Outdoor gibt es natürlich auch Train the Trainer-Seminare, auf diese gehe ich hier nicht ein.

Train the Trainer ist somit eine methodische, pädagogische und psychologische Aus-und Weiterbildung von Trainern in der Erwachsenenbildung.

Der Begriff Trainer wird auch synonym mit dem Begriff Dozent, Seminarleiter, Kursleiter, Lehrer, Ausbilder oder Referent benutzt. Ich bevorzuge schon immer den Begriff Trainer für meine Tätigkeit, weil dies zeitgemäßer klingt und auch das aktive Trainieren beinhaltet. Trainer sein ist keine Tätigkeit, wo ausschließlich das Dozieren oder Vortragen im Vordergrund steht.

 

Welche Arten von Trainern gibt es?

Für mich hat sich in der Praxis folgende Unterteilung bewährt:

 

Fach- und Produkttrainer

Fachtrainer sind Trainer, die Spezialwissen Ihres fachlichen Bereiches vermitteln. Die Seminarthemen können vielfältig sein: Betriebswirtschaft, Arbeitsrecht, Pharmarecht, Arbeitssicherheit, Holzbehandlung, Tiernahrung, Pflanzenschutz usw.

Produkttrainer sind Trainer, die Produktwissen an Kunden, Verkäufer oder Mitarbeiter weitergeben. Produkte können beispielsweise Laser für Produktionen, Waschmaschinen, CNC-Fräsmaschinen usw. sein. Die Liste der Produkte ist fast unbegrenzt. Jeder, der mit komplexeren Produkten umgeht, braucht vorher eine Schulung. Beispiel: Der Verkäufer eines Autohauses braucht eine Schulung, wenn ein neues Auto eingeführt wird.

 

Technische Trainer

Technische Trainer sind Trainer, die technisches Wissen vermitteln. Es geht hier um Verfahren, Maschinen und Maschinenteile. Die Übergänge zu den Fach- und Produkttrainern sind fließend. Themen können sein Lasertechnik, Thermomechanik, Fräsmethoden, Klebetechnik usw.. Die meisten technischen Trainer sind Techniker oder Ingenieure.

 

IT-Trainer

IT-Trainer trainieren eine spezielle Software oder sogar eine Programmiersprache. Software-Schulungen nehmen immer mehr zu, da inzwischen auch bei fachlichen Themen oder bei Produkten immer häufiger Software ins Spiel kommt. Meistens wird dann im Training mit dem Live-Programm oder mit Screen-Shots des Programms gearbeitet. Themen können sein Word, PowerPoint, Enterprise-Resource-Planning (ERP wie z.B SAP), 3D-Konstruktionssoftware oder auch Programmiersprachen wie Java.

 

Verhaltens- und Verkaufstrainer

Verhaltenstrainer wollen bei ihren Teilnehmern eine Verhaltensveränderung erzielen. Themen sind hier meistens Kommunikation, Führung, Teamarbeit oder Konflikthandhabung. Diese Trainer verfügen häufig neben einer längeren Trainerausbildung auch über eine psychologische Ausbildung (Gruppendynamik, Transaktionsanalyse, Systemische Beratung, Coaching usw.). Verkaufstrainer sollen Verkäufern das „Wie“ des Verkaufens beibringen.

Es geht dabei um Themen wie: Umgang mit Kunden, Argumentation, Einwandbehandlung oder Fragetechniken. Verkaufstrainer können erfahrene Verkäufer oder Personen mit einem psychologischen Hintergrund sein.

 

Wo findet ein Training statt?

Der klassische Ort für die Durchführung für ein Training ist der Seminarraum („Classroom-Training“). Je nach Thema kann das Training aber auch am Büroarbeitsplatz oder direkt an einer Maschine in der Produktion stattfinden. Auch eine Mischung der Orte ist möglich.

Es kommen immer mehr auch virtuelle Klassenräume wie bei Webinaren (= Web-Seminare, die über das World Wide Web gehalten werden) oder anderen Formen des E-Learnings dazu. Inwieweit diese die klassischen Lernformen ersetzen werden, kann heute noch nicht abgeschätzt werden.

 

Mit wie vielen Teilnehmern wird ein Training durchgeführt?

Die Zahl der Teilnehmer hängt von dem Thema und den Trainingszielen ab. Das Einzeltraining hat Vorteile, da der Trainer sich individuell auf den Teilnehmer einstellen kann. Nachteil ist aber, dass dies für den Teilnehmer anstrengend ist und auch keine motivierende Gruppenatmosphäre vorhanden ist.

Das Gruppentraining hat in der Regel zwischen acht und zwölf Teilnehmer. Trainings mit mehr als zwölf Teilnehmern haben den Nachteil, dass der einzelne weniger Fragen stellen kann und der Trainer nicht mehr auf jeden individuell eingehen kann. Es gibt auch Trainings mit sehr kleinen Gruppen von maximal fünf Teilnehmern oder weniger. Diese Teilnehmerzahlen sind bei der Einweisung in komplexe und teure technische Produkten sinnvoll. Meistens stehen hier nur ein oder zwei von den zu trainierenden Produkten zur Verfügung.

Außerdem können Trainings in Form von Großveranstaltungen mit mehr als dreißig Teilnehmern stattfinden. Bei Großveranstaltungen steht die Wissensvermittlung und Motivation im Vordergrund. Die Kunst bei so großen Gruppen ist es, ein sinnvolles Übungssetting zu gestalten.

 

Was sind die vier wichtigsten Trainerkompetenzen?

 

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1. Fachliche Kompetenz

Der Trainer kennt sich mit den Fachinhalten aus. Er ist Experte, verfügt über Stoffwissen und hält sein Wissen aktuell. Dies ist die solide Basis eines jeden Trainings. Ohne Fachwissen strahlt der Trainer keine Sicherheit aus. Der Trainer sollte immer mehr Fachwissen haben als die Teilnehmer. Dies ist zumindest einfacher. Typische Fragen sind hier:

Was sollte mein Fachwissen zu dem Thema sein?
Ist mein Fachwissen auf dem aktuellen Stand?
Welche Fragen könnten gestellt werden?

 

2. Methodische Kompetenz

Er/Sie kann diese fachlichen Inhalte methodisch und didaktisch sinnvoll aufarbeiten und vermitteln. Typische Fragen sind hier:

Wie gestalte ich ein Training oder Seminar?
Wie vermittle ich Inhalte verständlich?
Wie lernen Erwachsene?
Wie erreiche ich die Lehrziele?
Wie gestalte ich ein Training lebendig und nachhaltig?
Wie bereite ich Inhalte gehirngerecht auf?
Welche Medien setze ich ein?
Welche Methoden kann ich nutzen?
Wie halte ich Teilnehmer „bei der Stange“?
Wie spreche ich interessant und abwechslungsreich?
Wie setze ich meine Körpersprache ein?
Wie motiviere ich Teilnehmer?


3. Soziale Kompetenz

Soziale Kompetenz beinhaltet, eine gute Beziehung zu den Teilnehmern zu gestalten und zu halten. Typische Fragen sind hier:

Wie baue ich eine gute Gruppenatmosphäre auf?
Wie gestalte ich Gruppenprozesse?
Wie gehe ich mit Konflikten und Störern um?
Wie gebe ich Feedback?
Wie baue ich eine gute Beziehung zu Teilnehmern auf?

 

4. Persönlichkeitskompetenz

Persönlichkeitskompetenz bedeutet, gut mich sich umzugehen und sich zu steuern. Typische Fragen sind hier:

Wie motiviere ich mich?
Wie erreiche ich eine gute Stimmung zu Beginn des Trainings?
Wie strahle ich Sicherheit und Kompetenz aus?
Wie gehe ich mit Stress um?
Wie setze ich meine persönlichen Ressourcen optimal im Training ein?

 

Warum ein Train the Trainer-Seminar?

Ein Train the Trainer-Seminar bietet viel Vorteile aus unterschiedlichen Perspektiven.

 

Für das Unternehmen

Bei Trainern, die Kunden schulen (z.B. ein Einarbeitungsseminar für Kunden, die eine hochwertige Maschine gekauft haben), sollte ein Train the Trainer-Seminar Pflicht sein.

Seminare für Kunden sind meistens ein wichtiger After-Sales-Service. Sind diese Kundenschulungen schlecht, strahlt das auf das Unternehmen zurück. Sind die Schulungen gut, können sogar Zusatzverkäufe und Folgeverkäufe angebahnt werden. Manche Unternehmen verdienen sogar Geld, wenn sie in Firmenakademien bezahlte Kundenschulungen anbieten. Kundenschulungen haben direkten Einfluss auf mögliche Folgeverkäufe und die Gesamteinschätzung des Produktes. Je teurer die Produkte, umso so größer sind die Folgen eines guten oder schlechten Trainings. Auch bei Trainern, die Mitarbeiter trainieren, sind Trainerausbildungen sinnvoll, da die Effektivität des Trainings hier eine große Rolle spielt.

Die größten Kosten eines Trainings entstehen durch die Abwesenheit der Mitarbeiter vom Arbeitsplatz. Bei einem dreitägigen Training mit zehn Teilnehmern entfallen insgesamt 240 Arbeitsstunden (10 Teilnehmer x 8 Stunden x 3 Tagen). Dies macht bei durchschnittlich 32,70 pro Arbeitsstunde (Stand 2015) insgesamt 7848 Euro. Bei vielen Schulungen sind die Teilnehmer sogar höherbezahlt. Wenn ein solches Training floppt oder nicht nachhaltig ist, entstehen hohe Kosten ohne einen entsprechenden Gegenwert. Eine neuntägige Trainerausbildung (9 Tage) kostet weniger als ein geflopptes Training.

 

Für den Trainer

Gerade bei neuen Trainern bedeutet die Trainertätigkeit zu Beginn eine große Herausforderung. Nicht jeder kann frei vor einer unbekannten Gruppe sprechen. Auch fehlt es vielen Trainern an Sicherheit und didaktischem Knowhow. Sie fragen sich:

Mache ich alles richtig?

Von den erfahrenen Trainerkollegen etwas abzuschauen kann sinnvoll sein, aber nur wenn diese ein hohes Trainerniveau haben oder selbst eine Trainerausbildung durchlaufen haben. Wenn Trainer „nur im eigenen Saft schmoren“ können Fehler von Trainergeneration zu Trainergeneration weitergegeben werden. Eine Trainerausbildung kann die Sicherheit erhöhen und helfen, grobe Fehler zu vermeiden. Auch erhöhen Trainerausbildungen die Motivation der Trainer.

Für erfahrene Trainer können Trainerseminare neue Impulse und Ideen bringen. Es kann die eigene Trainertätigkeit reflektiert werden. Auch alte Hasen können hier noch etwas lernen. Das Lernen als Trainer hört nie auf.

 

Für die Teilnehmer der Trainer

Nichts ist schlimmer als ein langweiliges und langatmiges Training. Manchmal ist es einer Zumutung, wenn eine Dauerfrontalbeschallung mit PowerPoint-Filmvorführungen ohne jede Interaktivität stattfindet. Dies führt zu Unzufriedenheit bei den Teilnehmern und geringem Lernerfolg und das Lernen macht keinen Spaß. Die Teilnehmer werden sich fragen, warum sie an dem Training teilgenommen haben. Bei einem internen Trainer kommt dies möglicherweise noch nicht einmal an die Oberfläche, weil man ja einen Kollegen nicht anschwärzen will.

Besseres Trainerknowhow führt zu einer höheren Teilnehmerzufriedenheit.

 

Was ist bei der Auswahl einer Trainerausbildung wichtig?

Ich hoffe, nach dem letzten Abschnitt habe ich Sie von der Wichtigkeit einer Trainerausbildung überzeugt. Nun kommen wir zu der nächsten Frage, welches Train the Trainer-Seminar oder welche Trainerausbildung wählen Sie aus?

Folgende Kriterien sind nach meiner Ansicht wichtig:

 

Der Trainer

Der Trainer steht natürlich bei der Auswahl einer Ausbildung ganz oben. Welche Ausbildung hat der Trainer? Welche Erfahrung hat der Trainer mit dem Thema? Es ist bei Trainern genauso wie mit Chirurgen. Wenn Sie sich an der Bandscheibe operieren lassen müssen, wählen Sie eher einen Chirurgen, der diese Operation schon häufig durchgeführt hat. So ist es auch mit Trainern.

Trainer, die sich nicht auf ein Thema spezialisiert haben, führen unter Umständen eine Trainerausbildung nur einmal im Jahr durch. Es ist für den Trainer immer wieder ein Pilotprojekt und er erlangt hier keine Sicherheit. Besonders kritisch wird dies, wenn Sie eine Trainerausbildung bei einem größeren Institut machen. Egal, ob dieses nach Din-Iso-zertifiziert ist oder eine gute Einschätzung von anderen Instituten bekommt. Hier ist die Frage wichtig, welcher Trainer führt die Ausbildung durch? Natürlich müssen alle neuen Trainer auch mal anfangen, aber ein Trainer frisch von der Uni bringt keine Berufserfahrung mit. Qualitätsnachweise bei Trainern können auch sein: Erfahrung mit dem Thema, Spezialisierung, Ausbildungen, Autorentätigkeit, Referenzen, Qualitätsnachweise usw.

 

Das methodische Konzept

Das methodische Konzept einer Trainerausbildung ist sehr wichtig, da ein „Doppeldeckerlernen“ stattfindet. Der Trainer lebt vor, wie ein Trainer ein Training durchführen sollte. Wenn ein Trainerseminar selbst langweilig durchgeführt wird, kann dabei nicht viel gelernt werden. Ich habe schon von Trainerseminaren gehört, wo immer noch ein Overheadprojektor eingesetzt wird. Dies kommt gerade bei Ausbildungen für Ausbilder vor.

 

Die Referenzen und Empfehlungen für die Trainerausbildung

Wenn Sie jemanden kennen, der den Trainer selbst erlebt hat, ist dies eine sehr gute Referenz. Auch können Videos im Netz bei der Auswahl helfen. Sicherlich hilft auch ein Telefongespräch oder eine Telefonkonferenz.

 

Kompatibilität zum Unternehmen

Wenn eine Trainerausbildung für ein Unternehmen gesucht wird, sollte auf die Kompatibilität zum Unternehmen geachtet werde. Hat der Trainer Erfahrung mit einer vergleichbaren Zielgruppe oder Branche? Setzt er Methoden ein, die vielleicht nicht passend für die Zielgruppe sind?

 

Was ist ein Train the Trainer-Konzept?

Ein Train the Trainer-Konzept ist eine Strategie, um Mitarbeiter zu Trainern zu qualifizieren. Ich zeige dies an zwei Beispielen auf.

 

Einführung einer neuen Software

Ein Unternehmen führte eine neue Software ein, um die eigenen Abläufe zu verbessern. Die alte Software passte nicht mehr zu den neuen Anforderungen. Mitarbeiter, die gute IT-Kenntnisse hatten oder sogar Key-User waren, sollten die neue Software trainieren. Die angehenden IT-Trainer hatten noch keine Schulungen durchgeführt. Folgendes Einführungskonzept wurden gewählt:

1. Die Mitarbeiter bekamen ein Training für die Software

2. Die Mitarbeiter durchliefen ein dreitägiges Train the Trainer-Seminar (Inhouse)

3. Die Trainer führten ihre ersten Trainings zu zweit durch, um besser auf Fragen reagieren zu können.

 

Ausbildung eines Verkaufstrainers

Ein Unternehmen wollte einen neuen Verkaufstrainer einarbeiten, weil der bisherige in Rente ging. Folgende Schritte wurden eingeschlagen:

1. Der zukünftige Verkaufstrainer nimmt an den Verkaufstrainings des älteren Kollegen als Teilnehmer teil.

2. Durch eine Trainerausbildung (neun Tag) bekam dieser didaktische Fähigkeiten vermittelt.

3. Der neue Verkaufstrainer übernahm in den Verkaufstrainings des erfahrenen Kollegen immer größere Parts.

4. Der neuen Verkaufstrainer führte die Trainings alleine durch. Ab und zu setzt sich der alte Hase oder der Vorgesetze in das Training, um Hinweise für Verbesserungen zu geben und zu coachen. Dies in eine wirklich gute Vorbereitung auf die Traineraufgabe.

 

Autor: Ingo Krawiec, Krawiec Consulting

Erste Fassung vom 16.05.2017

 

 

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